Pressemitteilung

Weltaidstag 2017: „Kein Aids für Alle“ – Es ist noch viel zu tun

Im Vorfeld des 29. Weltaidstages am 1. Dezember erklärt Kordula Schulz-Asche MdB: 

Deutschland verfehlt 2017 zwei der drei 90-90-90-Etappenziele, die UNAIDS bis 2020 weltweit erreichen will. Knapp über der Zielmarke sind wir nur beim dritten Ziel – dem Erfolg der Behandlung. Bei 93 Prozent der Behandelten ist diese so wirksam, dass bei ihnen HIV nicht mehr nachweisbar ist und sie es nicht mehr übertragen können.

Infektion früher erkennen – mehr Testangebote

Das erste Ziel verfehlt Deutschland: Zu viele Menschen mit HIV (ca. 14 Prozent) wissen nichts von ihrer Infektion. Zu viele der Neudiagnostizierten (30-35 Prozent) leiden bereits an einem fortgeschrittenen Immundefekt oder sogar Aids. Nur wer von einer Infektion weiß, kann richtig handeln und behandelt werden. Mehr Aufklärung und mehr Testangebote für alle, zum Beispiel durch Aidshilfen oder in Arztpraxen, sind notwendig. So wird momentan beispielsweise die Mehrheit der HIV-Infektionen von Frauen „unerwartet“ beim routinemäßigen Schwangerschaftsscreening entdeckt.

Alle behandeln

Deutschland verfehlt auch das zweite 90-90-90-Ziel: Zu viele der Diagnostizierten (14 Prozent) sind nicht in Therapie. Die Behandlung aller – auch von Menschen ohne Papiere oder ohne Krankenversicherung – ist, wie das Robert-Koch-Institut zu Recht feststellt, überfällig. Kontinuierliche medizinische Behandlung ist ein Menschenrecht und gleichzeitig Prävention für andere.

HIV-Infektion besser verhindern

Notwendig sind mehr und spezifischere Aufklärung sowie Prävention. Den zielgruppengenauen Einsatz und die entsprechende Finanzierung der medikamentösen Prophylaxe vor HIV (PrEP) wollen wir GRÜNEN schnell prüfen. Menschen in Haft sind im besonderen Maße dem Risiko einer HIV-Infektion ausgesetzt; hier müssen endlich die ideologischen Scheuklappen in Ländern wie Bayern abgelegt werden.

Mit HIV kann man heute gut leben und alt werden

Um positiv zusammen zu leben – auch im Alter – heißt es, weiter gemeinsam gegen Diskriminierung und soziale Ausgrenzung vorzugehen und bestehende Vorurteile abzubauen. Eine Welt ohne Aids ist mit politischem Willen, schlüssigen Strategien und verlässlicher Finanzierung machbar.